Erfahrungsberichte vom (Über-)Leben mit 10 Kindern, 2 Riesenschnauzern und meinem sehr speziellen Ehemann

Monat: Juli 2025

Ein Tag zum Vergessen, bis, ja bis

Es war Mal wieder einer dieser Tage zum Vergessen vor den ersehnten Sommerferien. Wer kennt diese nicht? Was war passiert? Wie immer kam ich erst spät ins Bett, kurz nach 1 Uhr muss es gewesen sein. Kaum eingeschlafen, kam unsere Achtjährige zu mir. Sie hatte Bauchschmerzen. An Schlaf war somit nicht mehr zu denken. Die kleine Maus war nun munter und erzählte und erzählte und erzählte. Ich verabreichte ihr Symbolmedizin und siehe da, die Bauchschmerzen waren so schnell weg wie sie gekommen waren.

3 Stunden später klingelte der Wecker, die ersten Pubertierenden kamen an und platzierten ihre Frühstückswünsche. Fertig machen, alle Schulsachen richten und ab zum Bus. Nun nahm der Tag so richtig Fahrt auf. Der Älteste war wach und entschied sich dann doch wieder einzuschlafen. Großartig, nachts der Social Media Held und tagsüber geht dann gar nichts mehr. Wie ich so etwas liebe, ich war gleich auf 300 Umdrehungen. Aber der 17 Jährige war ganz entspannt. “Ey, was willst du von mir? Die ersten beiden hab’ ich nur Mathe”. Klar, verständlich, wo es in Mathematik doch auch so gut läuft. Ich hätte platzen können.

Nun waren die Minis dran. Wie so häufig, alle Fünfe lagen rund um Papa in unserem Bett. Jetzt werden sich einige fragen, wieso liegen die da? Eine lange Geschichte. Es hat sich eine verschworen Gemeinschaft gebildet. Ein Sonnensystem mit fünf sehr anhänglichen Planeten. Fast jeden Morgen habe ich das Vergnügen, dieses in sich gefestigte System zu sprengen. Was machen die kleinen Biester? Halten sich an Papa fest und werfen mir alles mögliche an den Kopf. Alleine einen zu wecken ist nahezu unmöglich. Früher konnte ich sie noch mit Gummibärchen nach unten lotsen, heute aussichtslos. Auch daran trägt mein Mann eine ordentliche Mitschuld. Erstens erzählt er ihnen, dass sie weiterschlafen können wenn sie noch müde sind. Zweitens kommt dann “Der Kindergarten hat auch morgen noch auf” und drittens wirft er ihnen Gummibärchen zu, um ihnen den Abschied vom geliebten Papa zu erleichtern (wenn es überhaupt soweit kommt). Er hat dazu eigens ein separates Süßigkeitenarsenal eingerichtet mit allem was man sich nur vorstellen kann. Erstaunlich eigentlich, dass die Kleinen nicht in den Kindergarten wollen. Wenn es dann, wie eben heute, zeitlich sehr pressiert, bringt mich dieses Zeremoniell an den Rande des Wahnsinns. “Ich möchte noch ein rotes Gummibärchen, ich ein grünes”. “Hast du noch Colafläschen?” “Ich will lieber einen Schokokeks”. Beide Parteien, die Zwerge und der Papa, haben ihre Freude daran.Schon lange bevor wir losgehen, wird schon der Papa gerufen. “Papa, wir gehen gleich los”. “Papa, Papa”. Ich habe resigniert, da gibt es kein Zurück mehr. 

Nun hatte ich zumindest schon einmal drei Kleine unten zum Fertigmachen. Die anderen beiden kuschelte noch mit Papa. Ich kann mir die Seele aus dem Hals brüllen, keine Reaktion. Auf den letzten Drücker kommen sie dann runter. Nun wird über den Brotbelag gemault und Sachen gesucht. Vorzugsweise Schuhe, Jacken, Brotdosen, Socken, einfach alles. Dementsprechend dauert es dann auch.Abends richte ich alles für jeden hin und sobald es morgens losgeht, endet es regelmäßig in einem Wäschetornado.

Kaum sind alle im Kindergarten, der Große in der Schule, geht es mit den beiden Riesenschnauzern in den Wald. Doch die vermeintliche Ruhe hält nicht lange. Ein Anruf aus dem Kindergarten: Die Lady braucht neue Windeln und Umziehkleidung. Kaum erledigt, meldet sich die nächste Schule. “Ihrer Tochter ist schlecht, sie möchte abgeholt werden.” Jetzt fehlt die Zeit zum Putzen, Einkaufen und Kochen. Stress kommt auf. Nun muss es schnell gehen, Einkauf und Abholung kombinieren, Grundordnung herstellen und dann schnell in die Küche. Um 12.00 Uhr wollen die ersten wieder essen. Um 13.30 Uhr muss die Kleine zum Bahnhof, zum Judo-Training. “Kein Obst? Kein Dessert? Schmeckt nicht” bekomme ich zu hören. Ich muss los, einen Riesenumweg fahren aufgrund Streckensperrung und auch noch den Zug verpasst. Eine Alternativverbindung muss her. “Immer und überall bist du zu spät, so peinlich mit dir “. Kinder sind im Zug, jetzt schnell wieder nach Hause.

Der tägliche Hausaufgaben-Horror steht an. Nebenbei muss alles erledigt werden, was morgens zu kurz kam. “Wie geht das? Ich kann das nicht. Mein Buch ist weg. Der hat in mein Buch gemalt…”. So geht das nun fortwährend. Die Fünfzehnjährige erklärt mir nebenbei die Welt. Anzupacken und zu helfen, auf die Idee kommt sie natürlich nicht. Jetzt greift mein Mann ein und verteilt Aufgaben. Er meint zu mir: “Toller Tag heute Schatz, wir gehen heute Abend weg, damit du etwas Ruhe bekommst.” Klingt erstmal gut. Gesagt, getan.

Auf nach Koblenz in ein Restaurant dachte ich. In der Tat fuhren wir genau dorthin. Ich ging vor meinem geistigen Auge mögliche Speisekarten durch. Doch wo bringt mein Mann mich hin? Ins Irish Pub. Verdächtig, denn wir sind keine Biertrinker. Er füllt irgendwelche Zettel aus und wirkt ein wenig unruhig und abgelenkt. Ich bekomme mit, es ist ein Karaoke-Abend. Die ersten performant auf der Bühne und es beginnt mir zu gefallen. Bis, ja bis, folgende Ansage zu vernehmen war: “Als nächstes bitten wir Steffi und Torsten nach vorne” “Warum hast du nicht nein gesagt?” von Roland Kaiser. Applaus kommt auf, es gibt keinen Weg zurück. Puls ist bei gefühlten 300. Die Melodie startet und ich brülle meinen Mann an: “Ich bringe dich um”, leider war das Mikro schon an.

Mein Mann kann überhaupt nicht singen, das hält ihn aber nicht davon ab:  „Du solltest nicht allein auf ’ne Party geh’n…“ Ich steige ein: „Du solltest nicht so nah bei mir steh’n…“ Durch die vielen Roland Kaiser Konzerte kannte ich den Text einigermaßen, habe aber vor lauter Aufregnur abgelesen. Das Publikum ist wirklich gnädig mit uns, vielen Dank Koblenz. Das Lied ist zu Ende, ich bin fix und fertig. Jetzt habe ich erstmal meinen Mann “rund gemacht “. Der ist gewohnt unbeeindruckt und meinte allen Ernstes: “Willst du nochmal? Wie wäre es mit Santa Maria”? Ich versuche ruhig zu bleiben.

Mit etwas Abstand betrachtet war es ein schöner Abend und eine tolle Erfahrung. Zudem ein versöhnlicher Abschluss eines anstrengenden Tages. Bleibt abzuwarten was meinem größten Kindskopf als nächstes einfällt…

Halbblind in den Kindergarten

Aus der Kategorie “passiert nur bei uns”. Unser kleiner BamBam hatte seine Brille am Trampolin zerstört. Ich schreibe bewusst AM und nicht IM Trampolin.  Er meinte, seinen Kopf am Rand durch die Federn schieben zu müssen. Mit der Brille auf der Nase. Überraschenderweise hielt das Plastikgestell das nicht aus. Natürlich steckte sein Kopf ebenfalls fest und alle Kinder brüllten: “ Mama, BamBam steckt im Trampolin fest.” Und er steckte tatsächlich fest. Es war auch gar nicht so einfach, ihn da wieder rauszuholen. 

Bei dem zuvor beschriebenen Zahnarztbesuch erhielten wir endlich den Ersatz für diese Brille. Keine zwei Wochen später waren wir morgens mal wieder sehr in Eile. Einer der pubertierenden Monster hatte es tatsächlich geschafft, den Morgen entspannt anzugehen um 2 Minuten, bevor er zum Bus musste, zu merken, dass sein Schulranzen nicht da war. Überraschenderweise hat er ihn auch nicht direkt gefunden und damit war der Bus weg. Wie man sich denken kann, nicht zum ersten Mal und wahrscheinlich auch nicht zum letzten Mal. Ich musste also alle Zwerge fertig machen und schnell ins Auto packen, um ihn zur Schule zu fahren. Traditionell lasse ich den Schuldigen aber erstmal als Strafe alle ungeliebten Hausarbeiten (Windel rausbringen, Spülmaschine ein- und ausräumen etc.) erledigen, während ich die Kleinen fertig mache. Prinzipiell haben die Kinder kein Problem damit, zu spät zur Schule zu kommen aber das Helfen zu Hause treibt sie zur Weißglut. Die kleinen Hebel einer Mutter. Ich machte also die Kleinen fertig, schob alle die Haustür hinaus, setzte sie ins Auto.

Der Stress ergriff nun auch mich. Ich hatte zu allem Überfluss auch noch meinen Geldbeutel im Haus vergessen. Die Kinder waren also für ca. 1 Minute alleine im Auto. Wir fuhren schnell zum Kindergarten, luden zwei der Zwerge aus (der älteste Kindergarten-Zwerg musste natürlich am Morgen noch zum Kinderarzt) und gleich anschließend ging es weiter zur Schule. Das pubertierende Monster stieg mürrisch mit den Worten: „Jetzt komme ich mitten in der Stunde an, hättest ja bis zur Pause warten können.” aus dem Auto und trollte sich davon. Kinder – sie geben so viel zurück…

Nun war ich endgültig zu spät beim Kinderarzt. Gehetzt fuhr ich ins Parkhaus und öffnete die hintere Schiebetür, um den Patienten aus dem Auto zu lassen. Plötzlich klirrte etwas neben mir unter dem Auto. Ich blickte nach unten und sah ein Brillenglas. Völlig verwirrt suchte ich die Brille, aber ich fand nichts. Aufgrund der fortgeschrittenen Uhrzeit und des Termins vertagte ich die Suche auf später. Die gesamte Wartezeit beim Kinderarztverbrachte ich damit, zu überlegen, ob ich unseren BamBam eventuell ohne Brille im Kindergarten abgegeben habe. Zuhause hatte ich sie ihm angezogen, das wusste ich. Nach dem Termin durchsuchte ich erneut erfolglos das Auto. Die Brille war nicht da, nur das eine Brillenglas, das aus dem Auto gefallen war.

Irgendwann rief ich im Kindergarten an. Zum Glück hatte ich direkt BamBams Erzieherin am Telefon. Sie reagierte leicht verwirrt, als ich sie fragte, ob er denn seine Brille tragen würde. Sie bejahte. Vollends irritiert war sie aber, als ich fragte, wie viele Gläser er denn in seiner Brille hätte. Nun hörte ich sie quer über den Spielplatz rufen :” BamBam komm mal her.” Sie kontrollierte die Brille und meinte dann: “Sie haben recht, er hat nur ein Glas in der Brille.”Irgendwie haben es die Kinder geschafft, innerhalb der besagten Minute im Auto die Brille komplett zu zerstören.

Als ich die Kinder mittags abgeholt habe, sah ich, dass das Kunststoff-Gestell erneut eingerissen war. Somit war klar, warum das Glas einfach so herausfallen konnte. Natürlich hat auch keiner der Kinder irgendwas gesagt, als ich morgens wieder ins Auto gestiegen war. Die Meute hat dicht gehalten. Und unser BamBam dachte sich offenbar, dass ein erneuter Ärger für seine defekte Brille nicht in seinen Tagesplan passte und zog es vor, ebenfalls zu schweigen. Falls ein Brillenhersteller noch Testpersonen für Kinder-Gestelle sucht, BamBam ist dabei. Hilfe! Sowas gibt es nur bei uns.

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