Erfahrungsberichte vom (Über-)Leben mit 10 Kindern, 2 Riesenschnauzern und meinem sehr speziellen Ehemann

Monat: Juli 2024

Eine Sekunde unachtsam

Was so alles passiert, wenn man eine Sekunde nicht aufpasst? Hier eine kleine Auswahl. 

Die Kinder fahren im Wohnzimmer Laufrad und oder Bobbycar, die Hunde bedienen sich auf den Arbeitsflächen der Küche an allem Essbaren, der Tisch wird mit Edding bemalt, die Hunde jagen unseren Kater, der Fernseher schaltet sich wie durch Zauberhand ein, ungeliebtes Essen verschwindet in der Toilette, Wände werden beschmiert, Gläser und Messer werden interessant, Wasserfarben werden gegessen, Klopapier im Haus verteilen, Treppen heruntergefallen, Bomben aus WC-Reinger-Tabs bauen, die Einjährige klettert alleine auf den Spielturm, die Kinder reiten auf den Hunden, Hunde werden mit unseren Haarbürsten gekämmt, Taucherbrillen werden angezogen und tauchen danach nie mehr auf, 1 komplette Nachfüllpackung Seife wird im Bad verteilt und dann mit ordentlich Wasser zur Rutschbahn, der Wasserschlauch im Garten wird dazu genutzt Zimmer mit offenen Fenstern zu wässern, der Sichtschutz kaputt geschossen, Schlüssel abgebrochen, an Schränken gerüttelt bis etwas herunterfällt und der Fuß gebrochen ist, Konservendosen von Banderolen befreit oder geöffnet und wieder in den Schrank gestellt, das Fläschchen oder das Brot gerecht mit den Hunden geteilt (einmal Kind, einmal Hunde usw), mit leeren Plastikflaschen gefochten, volle Windeln in Handball-Taschen gelegt die dann im Training wieder auftaucht, Schulhefte und Bücher der großen Geschwister bemalt, Hausaufgaben wegradiert, Kreditkarten verschwinden lassen, einzelne Schuhe werden versteckt um den geliebten Geschwistern Ärger einzubringen, volle Brotdosen versteckt, Fernbedienungen verschwinden, gerichtete Kleidung verschwindet, Lampen werden mit Bällen kaputt oder heruntergeschossen, Plissees heruntergerissen, auf dem Sofa Kissenschlachten mit den Hunden veranstaltet, die Schublade mit Brotdosen komplett geleert und der Inhalt hinter die Schublade geworfen, die Hunde mit dem Inhalt des Kühlschranks gefüttert dafür dann aber Hundefutter gegessen, Schuhe/Mütze/Handschuhe im Garten liegengelassen, Beeren pflücken ob reif oder nicht, die Zwerge legen sich mit ins Hundekörbchen, mit Laufrad/Bobbycar oder Schlitten quer durchs Beet fahren, Feuchttücher aus der Verpackung ziehen bis sie leer ist, Türme aus Konserven bauen bis sie auf die Kinder fallen, mit dem Staubsauger tolle Frisuren bei den Geschwistern zaubern, die Hunde mit Bobbycars und Laufrädern über die Terrasse jagen, die Kinder holen sich Eis aus der Gefriertruhe und lassen sie offen, die Garage bleibt auch bei Regen über Nacht geöffnet, Mega-Überschwemmungen nach Badewannen-Abenteuern zu sechst oder siebt, Türen müssen nach dem Duschen erneuert werden weil sie aufquellen, selbst Messie-Entrümpler würden keinen Fuß in die Kinderzimmer setzen. Diese Liste ließe sich endlos weiterführen. 

Schön ist das Leben mit 10 Kindern und überraschend sowie unberechenbar. Alle Notaufnahmen im Umkreis von 50km kennen uns. Gleiches gilt auch für die Hunde, die auch nicht gerade zimperlich miteinander umgehen. Unser Haus steht jeden Tag auf’s Neue Kopf. Wir haben uns fest vorgenommen diesen Wahnsinn in einem Buch festzuhalten. Man soll es nicht glauben, aber wir haben auch schon damit angefangen. 

Reise in die Vergangenheit

Wir waren vor Kurzem in Bad Rappenau – ein Wochenende lang. Nur mein Mann und ich. Das klingt jetzt erstmal nicht sonderlich spektakulär, war es aber. Vor 18 Jahren haben wir uns dort während einer Stimmheilkur kennengelernt und jeweils vom anderen gedacht: “was für ein/e Spinner/in”. Der Eindruck hat sich zwar teilweise bestätigt, aber es wurde trotzdem etwas Großes daraus. Zum Glück. Ich habe gelesen, dass angeblich 30 % der Kuraufenthalte von einem Kurschatten begleitet werden. Eine erstaunlich hohe Zahl. Nach meiner Erfahrung aber nicht unwahrscheinlich. Sollte mein Mann nochmal eine Kur benötigen, werde ich somit definitiv mit vor Ort sein. 

Für uns war es also eine Reise in die Vergangenheit, mit der mein Mann mich überrascht hat. Wir waren in einem sehr guten Hotel, unweit der Kurklinik, in der alles begann, untergebracht und konnten alle Orte, die wir mit unserer eigenen Geschichte verbinden, besuchen. Das Café, in dem ich fast täglich einen Strudel verspeist habe (mein Mann behauptet,  dass man das heute noch sehen kann). Den See, an dem mein Mann mir ungefähr ein Jahr später einen wunderschönen Heiratsantrag machte, fanden wir wieder und auch das Wasserschloss, in dem wir letztendlich ganz für uns geheiratet haben. Wir haben sogar die Tischtennisplatte gefunden, auf der ich meinen Mann stets gewinnen ließ. Bis heute glaubt er, dass ich nicht spielen kann. Ich hingegen habe relativ schnell gemerkt, dass er vieles kann, das Verlieren gehört aber definitiv nicht dazu. Also lasse ich ihn in dem Glauben, er wäre besser als ich. 

An dem besagten See des ersten Antrags hat mein Mann mich mit einer genauen Kopie davon überrascht und nach ein paar Tränchen habe ich erneut ja gesagt. Sehr romantisch. 

In Bad Rappenau gibt es drei große Parks, einer schöner als der andere. In einem gibt es unter anderem auch eine Kneippanlage zum Wassertreten. Dort kamen wir uns damals näher und so wiederholten wir auch dieses Ritual. Schon schön wie uns die Gefühle übermannten, als wäre es gestern gewesen. Die Zeit der verliebten (fast) Teenager kam zurück. Wir nutzten die kurze Zeit auch für einen Blick zurück. Was ist nicht alles passiert, was hatten wir nicht alles durchzustehen. Ein Leben auf der Überholspur. 10 Kinder, 5 Umzüge, 4 Hunde, 2 Kater, 7 Jobwechsel die Freundschaften in ganz Europa mit sich brachten. Weil es so schön war, werden wir jetzt jedes Jahr wieder nach Bad Rappenau zurückkehren. Vielleicht ziehen wir auch iegendwann dorthin, ist in jedem Fall eines unserer Gedankenspiele.

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