Erfahrungsberichte vom (Über-)Leben mit 10 Kindern, 2 Riesenschnauzern und meinem sehr speziellen Ehemann

Liebe ist…

dass ich ganz genau weiß, wie ich meinen Mann „auf die Palme“ bringe und umgekehrt genauso. Er behauptet immer, ich wäre der chaotischste Mensch unter Gottes Sonne. Naturgemäß sehe ich das ganz anders. Wenn also mal wieder ein – aus seiner Sicht – wichtiges Dokument irgendwo rumfliegt, steigt sein Blutdruck. „Das gehört genau in diesen Ordner abgeheftet“. Und sogleich schreitet er zur Tat. Wie fremd mir dieses spießige Verhalten ist.

Als wir uns kennenlernten, entdeckte er eine Plastiktüte mit allen wichtigen Dokumenten darin. Alles war da. Für mich war das so in Ordnung. Für ihn aber gar nicht. So fassungslos habe ich ihn nie wieder gesehen. Er legte alle möglichen Ordner an und schaffte Ordnung. Klar, was ich mir dazu anhören konnte. Bis heute sehe ich beispielsweise keinen Sinn darin, Unterlagen, die man im nächsten Frühjahr für die Steuererklärung benötigt, erst abzulegen. Jedes Jahr bereitet er die Unterlagen für die Steuererklärung vor und flucht tagelang, aufgrund der Arbeit. Mein pragmatischer Vorschlag: alles, das ganze Jahr über in einen Karton schmeißen, um es dann griffbereit zu haben. Diesen kommentiert er stets mit einem tiefen Einatmen und hochgezogenen Augenbrauen. 

Er wiederum bringt mich zum Wahnsinn, weil er seine Kleinen unfassbar verwöhnt. Er liest ihnen sprichwörtlich jeden Wunsch von den Lippen ab. Das muss so eine Art „Altersmilde“ sein, denn unsere Großen haben ihn ganz anders kennengelernt. Eher streng, konsequent und stringent. Diese reiben sich nun verwundert die Augen. „Die Gnade der späten Geburt“ genießen nun unsere Zwerge von 7 Jahren bis runter zu einem Jahr. Dieses Verwöhnen bringt mich zum Wahnsinn. Passen ihnen Brot oder Belag nicht, werden sie ausgetauscht. War früher Nutella tabu, erfreuen sich die Kleinen heute daran. Kurzum, mein Mann verhält sich wie ein lieber Opa und macht alles mit den Kleinen – was auch immer sie wollen. Selbst Schulnoten und Hausaufgaben werden lange nicht mehr so streng verfolgt wie früher.

Natürlich bin ich immer die Böse, denn bei mir gelten weiterhin die alten Regeln. Nach jedem Erziehungsversuch von mir, rennen sie direkt zu Papa, heulen sich dort aus und finden stets ein offenes Ohr bei ihm. Allein seine Ansprache: “Was hat euch die Mama jetzt schon wieder angetan?”

Nicht genug damit, dass er die Kleinen verzieht. Nein, er verwöhnt auch unsere Riesenschnauzer in gleicher Weise. Bei mir bekommen sie ihr Trockenfutter und fertig. Hin und wieder noch was Leckeres aus der Küche, wenn beim Kochen was abfällt, oder etwas übrigbleibt. Wir haben zwei Riesenschnauzer und die beiden haben sich bei uns direkt die Bezugspersonen ausgesucht.  Während seiner, Flaubert genannt, mich maximal als Mitbewohner duldet, gehorcht meiner, Tardieu genannt, ihm kein bisschen. Sehr zum Ärger meines Mannes, der ständig versucht, ihn mit Leckereien auf seine Seite zu ziehen.  Er frisst sie, freut sich und legt sich dann zu mir. Ein tolles Hundchen. Umgekehrt das gleiche Spiel.

Flaubert wollte anfangs kein Trockenfutter fressen. Anstatt konsequent damit umzugehen und zu warten, bis er Hunger hat und dann frisst, wurde mein Mann nervös.  Täglich konnte ich mir anhören, dass der arme Hund in Kürze verhungern wird. Aus seiner Sicht musste er dringend 5-6 kg zulegen. Er fühlte schon die Knochen. Mein Argument, dass er vor dem Verhungern sicherlich das Trockenfutter fressen wird, wurde ignoriert. Stattdessen rannte mein Mann los und besorgte ihm alle erdenklichen Futtersorten und Nassfutter. Wenn ich schon höre wie er unseren Riesen sagt:“ Ihr sollt auch nicht leben wie ein Hund.“ Sodann ging es los. Der Möchtegern Paul Bocuse der Hundeküche legte los. Fleisch an Flocken und Ei oder Frischkäse an Trockenfutter oder Thunfisch Vinaigrette an Brotresten. Die Hunde lieben es und sein Flaubert  frisst seitdem kein pures Trockenfutter mehr. 

Mein Tardieu hingegen lebt nach dem Prinzip ‘erst fressen, dann denken’. Unvergessen ist die kleine Spielmaus, die eigentlich unserem Kater gehörte und die ihm die Kinder zugeworfen hatten. In der sicheren Annahme, dass es sich um Essen handeln muss, und unter einem gewissen Zugzwang, weil der zweite Riesenschnauzer neben ihm stand, verschlang er sie mit einem Happen. Am nächsten Tag lag sie wieder, nahezu unversehrt, im Flur. Auf die näheren Umstände, wie es dazu kam, gehe ich besser nicht ein. 

Natürlich bekommen die beiden nach einem solchen Festmahl Durst, großen Durst. Mit einem Wassernapf alleine ist es bei meinem Mann nicht getan. Nein, frische kalte Rohrperle muss es sein, direkt aus dem Hahn. Sprich, die Hunde stehen im Bad, mit den Pfoten auf dem Waschbecken und trinken direkt aus dem Hahn. Zumindest bis ich um die Ecke komme….

1 Kommentar

  1. Willi

    Weiter so,
    Ich kann mich so richtig
    in die Familie reindenken mit all den Unwegbarkeiten des Lebens und einem Riesenfundus von erlebtem Miteinander.

    Macht Spaß zu lesen !

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