Erfahrungsberichte vom (Über-)Leben mit 10 Kindern, 2 Riesenschnauzern und meinem sehr speziellen Ehemann

Der 1. FC Kaiserslautern

Mich hat Fußball nie groß interessiert wenn ich ehrlich bin. Meine einzige wirkliche Begegnung mit Fußball war als Kind im Dorf. Da um mich herum hauptsächlich Jungs waren, mit denen ich mich locker in allem messen konnte, war Fußballspielen auf dem örtlichen Bolzplatz natürlich ein Thema. Ich konnte zwar nicht spielen, aber foulen konnte ich hervorragend. Deshalb wurde ich auch immer ziemlich schnell in eine Mannschaft gewählt. Weniger aus Überzeugung, mehr aus Angst ich könnte in der gegnerischen Mannschaft auflaufen. Irgendwann begann ich auch meine Mannschaftskollegen zu foulen und musste deshalb ins Tor.

Als ich meinen Mann kennenlernte, machte der mir gleich folgendes klar: „Mein Beziehungsstatus ist weder verheiratet, vergeben, getrennt oder geschieden. Es ist der 1. FCK. Die einzige, ehrliche und ewige Liebe in meinem Leben“. Die nächste Frage war: „Wo kommst Du eigentlich her?“. Ich antwortete mit Baden. „Karlsruhe und Freiburg? Nicht Dein Ernst! Wenn Du mir mit sowas kommst, kannst Du gleich wieder gehen.“ Ich war einigermaßen irritiert, hatte ich doch mit Fußball so gar nichts am Hut. „Kein FCK-Fan? – Was es alles gibt“ kam zurück. Er akzeptierte den Status Quo. Mir wurde schnell klar, sich diesem Thema zu verschließen war unmöglich. Ich war an einen Fußball-Fanatiker geraten.

Irgendwann schlug ich ihm einen Wochenendausflug vor. „Wann?“ bekam ich zu hören. Ich nannte ihm das Datum und er fragte mich: „Spinnst Du? An diesem Wochenende ist das FCK-Stadionfest“. Also ging es hochschwanger auf den Betze. Mein Mann kaufte alles (Nukki, Fläschchen, Body, Strampler) Erhältliche in rot und weiß für seinen Erstgeborenen. Ich fand ein Trikot und suchte es in Neugeborenengröße aus. Auf dem stand geschrieben: „Moi erschdes Betze Trikot“. Ich dachte mir, wieso beschriften die hier alles auf französisch? Meine rudimentären Französischkenntnisse verrieten mir, dass moi auf deutsch ‚ich‘ heißt. Also habe ich bei der Verkäuferin nachgefragt: „Entschuldigung, gibt’s das auch auf deutsch?“ Der Skandal war perfekt, eine kleine Aufruhr inklusive. „Heere se mol Fräulein, das is Pälzisch. Mein erstes Betze-Trikot heißt das. Wo kumme sie dann her?“ Zu allem Überfluss hörte das auch noch mein Mann, der sich sofort einschaltete. „Die Dame ist ein Gelbfüßler und wird gerade von mir zivilisiert. Entschuldigen Sie bitte.“ Großer Gott war das peinlich.

Das Trikot habe ich immer noch und alle unsere 10 Kinder haben es getragen. Das war nur der Anfang, mittlerweile bin ich tief in der Materie und ebenfalls Fußball begeistert. Natürlich kein Vergleich zu meinem Mann. Und wie sollte es auch anders sein, die Emotionen haben sich auch auf die Kinder übertragen, auf alle Kinder. Auch auf die Kleinsten. Kein Wunder, in jedem Kinderzimmer hängt entweder ein FCK-Poster, ein Wimpel oder eine Fahne. Sie haben es praktisch mit der Muttermilch aufgesogen.

Warum betone ich das so? 7 Dauerkarten, Westkurve, ständig im Stadion, all das blieb nicht ohne Folgen. Mein Mann neigt dazu, vor einem Spiel, während eines Spiels und auch nach dem Spiel, zu Hause Fangesänge anzustimmen. Ach was sage ich, eigentlich überall. Mit dem Ergebnis, dass ich mich mittlerweile weigere, mit den Kindern einkaufen zu gehen. Die mehrfache Erfahrung, im LIDL, dm etc. zwei oder mehr Zwerge dabei zu haben, die zusammen die übelsten Fangesänge anstimmen, ist grenzwertig. Beispiele gefällig? „Wir lieben dicke Titt** und den Suff, wir gehen dreimal täglich in den Pu**“, oder auch schön, zum Relegationspiel vorletztes Jahr: „Dy-Dy-Dy-Dy-Dy-Dy-Dy, Na-Na-Na-Na-Na-Na, Mo-Mo-Mo-Mo-Mo-Mo-Mo, Sch Dynamo“, Ganz aktuell gerade: „Wir sind die Jungs aus Lautern, die Jungs vom FCK. Wir sch… auf Saarbrücken und pissen in die Saar“. Erstaunlich was kleine Kinder sich so alles merken können. Das ist nur eine kleine Auswahl, von diesen Gesängen gibt es viele, sehr viele. Inzwischen sprechen sie leider auch so deutlich, dass es jeder versteht. Schlimm ist das. Die Reaktionen aus Schule und Kindergarten ließen nicht lange auf sich warten. In den Pausen wurde so einiges angestimmt. Muss ich mehr dazu sagen? Mein Mann meinte: „Alle lieben den FCK, also wo bitte ist das Problem?“.

Mittlerweile fahren die Großen auch schon Mal alleine mit der Bahn zu den Spielen. Hier ein lieber Gruß an den weltbesten Ordner Willi Wolf, der immer ein Auge auf die Kinder hat. Mein Mann hat den Kindern auch direkt Tipps zur zukünftigen Partnerwahl gegeben. Bayern, Schalke, Dortmund, RB, LEV, Frankfurt, Gladbach, Köln, Mannheim, Saarbrücken, Freiburg, St. Pauli, Hoppenheim, Golfsburg, Mainz, KSC und auch alle anderen gehen gar nicht. Original-Zitat: „In der Westkurve stehen genug rum, da wird schon was Passendes dabei sein“. Falls es doch was anderes werden sollte, kein Problem, das Testament kann jederzeit flexibel angepasst werden, erläuterte mein Mann.

Wie auch immer, wir fahren zum DFB-Pokal-Finale nach Berlin, nur das zählt. Heute war Ausnahmestimmung, alle sind vor Freude ausgerastet. Alle Kinder sind textsicher und sangen ihre Freude raus. Die Einladungen zum Gespräch in Schule und Kindergarten lassen bestimmt nicht lange auf sich warten…

1 Kommentar

  1. Claudia

    🤣🤣 ich liebe deine Erzählungen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

© 2024 Bis-Eins-Heult

Theme von Anders NorénHoch ↑