Es war Mal wieder einer dieser Tage zum Vergessen vor den ersehnten Sommerferien. Wer kennt diese nicht? Was war passiert? Wie immer kam ich erst spät ins Bett, kurz nach 1 Uhr muss es gewesen sein. Kaum eingeschlafen, kam unsere Achtjährige zu mir. Sie hatte Bauchschmerzen. An Schlaf war somit nicht mehr zu denken. Die kleine Maus war nun munter und erzählte und erzählte und erzählte. Ich verabreichte ihr Symbolmedizin und siehe da, die Bauchschmerzen waren so schnell weg wie sie gekommen waren.
3 Stunden später klingelte der Wecker, die ersten Pubertierenden kamen an und platzierten ihre Frühstückswünsche. Fertig machen, alle Schulsachen richten und ab zum Bus. Nun nahm der Tag so richtig Fahrt auf. Der Älteste war wach und entschied sich dann doch wieder einzuschlafen. Großartig, nachts der Social Media Held und tagsüber geht dann gar nichts mehr. Wie ich so etwas liebe, ich war gleich auf 300 Umdrehungen. Aber der 17 Jährige war ganz entspannt. “Ey, was willst du von mir? Die ersten beiden hab’ ich nur Mathe”. Klar, verständlich, wo es in Mathematik doch auch so gut läuft. Ich hätte platzen können.
Nun waren die Minis dran. Wie so häufig, alle Fünfe lagen rund um Papa in unserem Bett. Jetzt werden sich einige fragen, wieso liegen die da? Eine lange Geschichte. Es hat sich eine verschworen Gemeinschaft gebildet. Ein Sonnensystem mit fünf sehr anhänglichen Planeten. Fast jeden Morgen habe ich das Vergnügen, dieses in sich gefestigte System zu sprengen. Was machen die kleinen Biester? Halten sich an Papa fest und werfen mir alles mögliche an den Kopf. Alleine einen zu wecken ist nahezu unmöglich. Früher konnte ich sie noch mit Gummibärchen nach unten lotsen, heute aussichtslos. Auch daran trägt mein Mann eine ordentliche Mitschuld. Erstens erzählt er ihnen, dass sie weiterschlafen können wenn sie noch müde sind. Zweitens kommt dann “Der Kindergarten hat auch morgen noch auf” und drittens wirft er ihnen Gummibärchen zu, um ihnen den Abschied vom geliebten Papa zu erleichtern (wenn es überhaupt soweit kommt). Er hat dazu eigens ein separates Süßigkeitenarsenal eingerichtet mit allem was man sich nur vorstellen kann. Erstaunlich eigentlich, dass die Kleinen nicht in den Kindergarten wollen. Wenn es dann, wie eben heute, zeitlich sehr pressiert, bringt mich dieses Zeremoniell an den Rande des Wahnsinns. “Ich möchte noch ein rotes Gummibärchen, ich ein grünes”. “Hast du noch Colafläschen?” “Ich will lieber einen Schokokeks”. Beide Parteien, die Zwerge und der Papa, haben ihre Freude daran.Schon lange bevor wir losgehen, wird schon der Papa gerufen. “Papa, wir gehen gleich los”. “Papa, Papa”. Ich habe resigniert, da gibt es kein Zurück mehr.
Nun hatte ich zumindest schon einmal drei Kleine unten zum Fertigmachen. Die anderen beiden kuschelte noch mit Papa. Ich kann mir die Seele aus dem Hals brüllen, keine Reaktion. Auf den letzten Drücker kommen sie dann runter. Nun wird über den Brotbelag gemault und Sachen gesucht. Vorzugsweise Schuhe, Jacken, Brotdosen, Socken, einfach alles. Dementsprechend dauert es dann auch.Abends richte ich alles für jeden hin und sobald es morgens losgeht, endet es regelmäßig in einem Wäschetornado.
Kaum sind alle im Kindergarten, der Große in der Schule, geht es mit den beiden Riesenschnauzern in den Wald. Doch die vermeintliche Ruhe hält nicht lange. Ein Anruf aus dem Kindergarten: Die Lady braucht neue Windeln und Umziehkleidung. Kaum erledigt, meldet sich die nächste Schule. “Ihrer Tochter ist schlecht, sie möchte abgeholt werden.” Jetzt fehlt die Zeit zum Putzen, Einkaufen und Kochen. Stress kommt auf. Nun muss es schnell gehen, Einkauf und Abholung kombinieren, Grundordnung herstellen und dann schnell in die Küche. Um 12.00 Uhr wollen die ersten wieder essen. Um 13.30 Uhr muss die Kleine zum Bahnhof, zum Judo-Training. “Kein Obst? Kein Dessert? Schmeckt nicht” bekomme ich zu hören. Ich muss los, einen Riesenumweg fahren aufgrund Streckensperrung und auch noch den Zug verpasst. Eine Alternativverbindung muss her. “Immer und überall bist du zu spät, so peinlich mit dir “. Kinder sind im Zug, jetzt schnell wieder nach Hause.
Der tägliche Hausaufgaben-Horror steht an. Nebenbei muss alles erledigt werden, was morgens zu kurz kam. “Wie geht das? Ich kann das nicht. Mein Buch ist weg. Der hat in mein Buch gemalt…”. So geht das nun fortwährend. Die Fünfzehnjährige erklärt mir nebenbei die Welt. Anzupacken und zu helfen, auf die Idee kommt sie natürlich nicht. Jetzt greift mein Mann ein und verteilt Aufgaben. Er meint zu mir: “Toller Tag heute Schatz, wir gehen heute Abend weg, damit du etwas Ruhe bekommst.” Klingt erstmal gut. Gesagt, getan.
Auf nach Koblenz in ein Restaurant dachte ich. In der Tat fuhren wir genau dorthin. Ich ging vor meinem geistigen Auge mögliche Speisekarten durch. Doch wo bringt mein Mann mich hin? Ins Irish Pub. Verdächtig, denn wir sind keine Biertrinker. Er füllt irgendwelche Zettel aus und wirkt ein wenig unruhig und abgelenkt. Ich bekomme mit, es ist ein Karaoke-Abend. Die ersten performant auf der Bühne und es beginnt mir zu gefallen. Bis, ja bis, folgende Ansage zu vernehmen war: “Als nächstes bitten wir Steffi und Torsten nach vorne” “Warum hast du nicht nein gesagt?” von Roland Kaiser. Applaus kommt auf, es gibt keinen Weg zurück. Puls ist bei gefühlten 300. Die Melodie startet und ich brülle meinen Mann an: “Ich bringe dich um”, leider war das Mikro schon an.
Mein Mann kann überhaupt nicht singen, das hält ihn aber nicht davon ab: „Du solltest nicht allein auf ’ne Party geh’n…“ Ich steige ein: „Du solltest nicht so nah bei mir steh’n…“ Durch die vielen Roland Kaiser Konzerte kannte ich den Text einigermaßen, habe aber vor lauter Aufregnur abgelesen. Das Publikum ist wirklich gnädig mit uns, vielen Dank Koblenz. Das Lied ist zu Ende, ich bin fix und fertig. Jetzt habe ich erstmal meinen Mann “rund gemacht “. Der ist gewohnt unbeeindruckt und meinte allen Ernstes: “Willst du nochmal? Wie wäre es mit Santa Maria”? Ich versuche ruhig zu bleiben.
Mit etwas Abstand betrachtet war es ein schöner Abend und eine tolle Erfahrung. Zudem ein versöhnlicher Abschluss eines anstrengenden Tages. Bleibt abzuwarten was meinem größten Kindskopf als nächstes einfällt…