Erfahrungsberichte vom (Über-)Leben mit 10 Kindern, 2 Riesenschnauzern und meinem sehr speziellen Ehemann

Kategorie: Vorstellung /über mich (Seite 4 von 4)

Wie kam es zu dem Blog, wer bin ich und wer gehört zu mir.

Erst das Vergnügen, dann die Arbeit

Menschen, die meinen Mann kennen,  fragen mich häufig, wie ich es eigentlich mit ihm aushalte. Er ist ein solcher Kindskopf. Mein Erfolgsrezept: ich ignoriere ihn zu 90 % und dann geht es ganz gut. Das funktioniert aber leider nicht immer.

Beispiel gefällig? Es ist 8.30 Uhr und die Kleinen sollen in den Kindergarten. Bringzeit bis 9.00 Uhr, eigentlich 8:59 Uhr wegen des Morgenkreises um punkt 9 Uhr. Was macht mein Mann? Er spielt mit den Zwergen entspannt Fußball. Ich seufze und weiß genau, was jetzt auf mich zukommt.  Unsere Kleinste mit knapp 2 Jahren rennt zielsicher zur Treppe und erklimmt bereits die ersten Stufen während sie aufgeregt ‘Fußball’ brüllt. Klar, sie will auch mitspielen. 

Ich brülle hoch: „Kommt ihr bitte runter, wir müssen los.“ Keine Reaktion, ich höre aber die Emotionen hochschlagen. Also brülle ich lauter. Keine Reaktion. 8.35 Uhr: Offensichtlich ist gerade ein Tor gefallen. Die einen jubeln und die anderen beschimpfen sich gegenseitig, wer denn jetzt Schuld am Gegentreffer sei. 8.37 Uhr: Mein Puls steigt. Gerade will ich wieder brüllen, da fällt der Ausgleich. Jetzt gibt’s kein Halten mehr. Beide Teams gehen jetzt volles Risiko. Mein Mann mittendrin. Es ist jetzt 8.40 Uhr: Ich resigniere und gehe hoch in den 2. Stock. Am Ort des Geschehens passiert gerade ein Foul. Es ist 8.42 Uhr und es gibt Strafstoß. Dies hat wilde Proteste zur Folge und ein Handgemenge. „Schauspieler, da war gar nichts” gefolgt von “Bist du blind?”, ein Wort ergibt das andere. Ich verweise auf den Kindergarten und gerate zwischen die Fronten. 

Mama, was soll denn das jetzt? Lass uns in Ruhe. Verstehst du denn nicht was hier los ist? Es steht 3:3 und Bam Bam hat gerade den Kleinen König getreten. Deshalb gibt’s Elfer und ne Gelbe. Der muss natürlich noch ausgeführt werden. Es ist mittlerweile 8.45 Uhr. Alte Fußballerregel: Der Gefoulte soll nicht selbst antreten. Ach was soll’s. Der Kleine König legt sich den Ball zurecht. BamBam steht im Tor und macht Faxen auf der Linie. Kleiner König läuft an und schießt nach unten links. BamBam hält mit einer Riesenparade, klatscht aber unglücklich nach vorne ab. Der Kleine König ist zur Stelle und versenkt die Kugel. Wieder schlagen die Emotionen hoch. „So sehen Sieger aus“ ertönt es nun. 8.50 Uhr, Schlusspfiff, das Spiel ist aus. Endstand 4:3 für das Team Kleiner König. Ich habe jetzt noch knappe 10 Minuten, um die Kinder in den Kindergarten zu bringen. Die Kinder verabschieden sich von meinem Mann mit den Worten: “Das hat großen Spaß gemacht, heute Nachmittag spielen wir wieder Fußball.” 

Ich denke mir meinen Teil, beiße mir aber auf die Zunge, um nicht noch mehr Unruhe zu stiften. Also runter, die Kleinen in die (vorher gesuchten und bereitgestellten) Schuhe stecken, Jacken und Mützen überwerfen und in den Kindergarten eilen. Ich hoffe so sehr, dass irgendjemand aus dem Kindergarten das liest, um endlich den wahren Schuldigen für Verspätungen zu kennen. Zum Glück hat mein Mann nicht jeden Tag Zeit für solche Spielchen am Morgen. Das sind dann die Tage, an denen die Kinder pünktlich im Kindergarten sind.

Liebe ist…

dass ich ganz genau weiß, wie ich meinen Mann „auf die Palme“ bringe und umgekehrt genauso. Er behauptet immer, ich wäre der chaotischste Mensch unter Gottes Sonne. Naturgemäß sehe ich das ganz anders. Wenn also mal wieder ein – aus seiner Sicht – wichtiges Dokument irgendwo rumfliegt, steigt sein Blutdruck. „Das gehört genau in diesen Ordner abgeheftet“. Und sogleich schreitet er zur Tat. Wie fremd mir dieses spießige Verhalten ist.

Als wir uns kennenlernten, entdeckte er eine Plastiktüte mit allen wichtigen Dokumenten darin. Alles war da. Für mich war das so in Ordnung. Für ihn aber gar nicht. So fassungslos habe ich ihn nie wieder gesehen. Er legte alle möglichen Ordner an und schaffte Ordnung. Klar, was ich mir dazu anhören konnte. Bis heute sehe ich beispielsweise keinen Sinn darin, Unterlagen, die man im nächsten Frühjahr für die Steuererklärung benötigt, erst abzulegen. Jedes Jahr bereitet er die Unterlagen für die Steuererklärung vor und flucht tagelang, aufgrund der Arbeit. Mein pragmatischer Vorschlag: alles, das ganze Jahr über in einen Karton schmeißen, um es dann griffbereit zu haben. Diesen kommentiert er stets mit einem tiefen Einatmen und hochgezogenen Augenbrauen. 

Er wiederum bringt mich zum Wahnsinn, weil er seine Kleinen unfassbar verwöhnt. Er liest ihnen sprichwörtlich jeden Wunsch von den Lippen ab. Das muss so eine Art „Altersmilde“ sein, denn unsere Großen haben ihn ganz anders kennengelernt. Eher streng, konsequent und stringent. Diese reiben sich nun verwundert die Augen. „Die Gnade der späten Geburt“ genießen nun unsere Zwerge von 7 Jahren bis runter zu einem Jahr. Dieses Verwöhnen bringt mich zum Wahnsinn. Passen ihnen Brot oder Belag nicht, werden sie ausgetauscht. War früher Nutella tabu, erfreuen sich die Kleinen heute daran. Kurzum, mein Mann verhält sich wie ein lieber Opa und macht alles mit den Kleinen – was auch immer sie wollen. Selbst Schulnoten und Hausaufgaben werden lange nicht mehr so streng verfolgt wie früher.

Natürlich bin ich immer die Böse, denn bei mir gelten weiterhin die alten Regeln. Nach jedem Erziehungsversuch von mir, rennen sie direkt zu Papa, heulen sich dort aus und finden stets ein offenes Ohr bei ihm. Allein seine Ansprache: “Was hat euch die Mama jetzt schon wieder angetan?”

Nicht genug damit, dass er die Kleinen verzieht. Nein, er verwöhnt auch unsere Riesenschnauzer in gleicher Weise. Bei mir bekommen sie ihr Trockenfutter und fertig. Hin und wieder noch was Leckeres aus der Küche, wenn beim Kochen was abfällt, oder etwas übrigbleibt. Wir haben zwei Riesenschnauzer und die beiden haben sich bei uns direkt die Bezugspersonen ausgesucht.  Während seiner, Flaubert genannt, mich maximal als Mitbewohner duldet, gehorcht meiner, Tardieu genannt, ihm kein bisschen. Sehr zum Ärger meines Mannes, der ständig versucht, ihn mit Leckereien auf seine Seite zu ziehen.  Er frisst sie, freut sich und legt sich dann zu mir. Ein tolles Hundchen. Umgekehrt das gleiche Spiel.

Flaubert wollte anfangs kein Trockenfutter fressen. Anstatt konsequent damit umzugehen und zu warten, bis er Hunger hat und dann frisst, wurde mein Mann nervös.  Täglich konnte ich mir anhören, dass der arme Hund in Kürze verhungern wird. Aus seiner Sicht musste er dringend 5-6 kg zulegen. Er fühlte schon die Knochen. Mein Argument, dass er vor dem Verhungern sicherlich das Trockenfutter fressen wird, wurde ignoriert. Stattdessen rannte mein Mann los und besorgte ihm alle erdenklichen Futtersorten und Nassfutter. Wenn ich schon höre wie er unseren Riesen sagt:“ Ihr sollt auch nicht leben wie ein Hund.“ Sodann ging es los. Der Möchtegern Paul Bocuse der Hundeküche legte los. Fleisch an Flocken und Ei oder Frischkäse an Trockenfutter oder Thunfisch Vinaigrette an Brotresten. Die Hunde lieben es und sein Flaubert  frisst seitdem kein pures Trockenfutter mehr. 

Mein Tardieu hingegen lebt nach dem Prinzip ‘erst fressen, dann denken’. Unvergessen ist die kleine Spielmaus, die eigentlich unserem Kater gehörte und die ihm die Kinder zugeworfen hatten. In der sicheren Annahme, dass es sich um Essen handeln muss, und unter einem gewissen Zugzwang, weil der zweite Riesenschnauzer neben ihm stand, verschlang er sie mit einem Happen. Am nächsten Tag lag sie wieder, nahezu unversehrt, im Flur. Auf die näheren Umstände, wie es dazu kam, gehe ich besser nicht ein. 

Natürlich bekommen die beiden nach einem solchen Festmahl Durst, großen Durst. Mit einem Wassernapf alleine ist es bei meinem Mann nicht getan. Nein, frische kalte Rohrperle muss es sein, direkt aus dem Hahn. Sprich, die Hunde stehen im Bad, mit den Pfoten auf dem Waschbecken und trinken direkt aus dem Hahn. Zumindest bis ich um die Ecke komme….

Zahnarztbesuche… früher und heute

Ich würde mich als einigermaßen nervenstarke Mutter beschreiben. Diverse Platzwunden der Kinder, die geklebt werden mussten (unter anderem weil ein Zwerg dem anderen Zwerg im Kinderpool ein Playmobil-Schnellboot an den Kopf wirft) sind kein Problem. Brüche, kein Problem. Was aber gar nicht geht, ist alles was mit Zähnen zu tun hat. Wackelzähne führen prinzipiell zur Flucht meinerseits, was die Kinder naturgemäß unheimlich komisch finden und dann erst recht zu jeder unpassenden Gelegenheit mit ihren noch halb-hängenden Zähnen vor mir stehen und diese hin und her schaukeln. Gerne übrigens auf der Toilette, wenn ich nicht flüchten kann. Zumindest wenn sie es schaffen, sich am Hund vorbei zu drängeln oder drüber zu steigen.

Als Kind bekam ich eine lose Zahnspange, die ich entweder unbewusst nachts aus dem Fenster warf oder die meiste Zeit ignorierte. Bevor ich diese bekam, mussten allerdings 4 Backenzähne gezogen werden – auf jeder Seite einer damit genug Platz für die übrigen Zähne geschafft wurde. Unser damaliger Zahnarzt war ein alter, dicker Mann, der aufgrund seiner Arthrose diverse krumme Finger hatte. Damals wusste ich den Vorteil eines kräftigen Zahnarztes noch nicht zu schätzen und so machte er mir, alleine aufgrund seiner Erscheinung, Angst. Ich sollte also an vier aufeinanderfolgenden Terminen jeweils einen Zahn gezogen bekommen. Mein Vater machte den Fehler, sich bereit zu erklären den ersten Termin mit mir wahrzunehmen. Er war nicht für seine einfühlsame Art bekannt und machte uns Kindern stets sehr schnell und deutlich klar, womit er einverstanden war und womit nicht. Sämtliche Versuche seinerseits die Situation beim Zahnarzt irgendwie unter Kontrolle zu bringen, liefen jedoch ins Leere…. Ich schrie wie am Spieß und ließ mich auch nicht wieder beruhigen. Anschließend fuhr mein Vater schweigend mit mir nach Hause und erklärte meiner Mutter, dass er nie, nie wieder mit mir zum Zahnarzt gehen würde. Hat er auch eingehalten.

Diese Angst hatte sich bis vor kurzem gehalten, was die Kinder natürlich nicht wissen durften. Mittlerweile bin ich bei einem der besten Zahnärzte, die man sich vorstellen kann. Hier ein schöner Gruß an die Zahnarztpraxis Grünewald in Koblenz, die stets freundliche Mitarbeiter und sehr gute Zahnärzte in ihrem Team hat. Die Kinder gehen ebenfalls regelmäßig, alle 6 Monate, dort zur Kontrolle. Dabei werden zuerst die Zähne blau eingefärbt um zu sehen, wo gut und wo weniger gut geputzt wurde. Anschließend gibt es einen Wert. 100 % bedeutet ganz, ganz, ganz schlecht, 20 % gelten bereits als guter Wert. Für die Kinder ist der eigene Wert jedoch nur bedingt wichtig. Viel wichtiger ist der Wert, den die Geschwister haben. Wir gehen immer mit mindestens 3 – 4 Kindern gleichzeitig, um die Konkurrenz anzukurbeln.

Manche Geschwister sind sehr beliebt, um gemeinsam einen Zahnarzt-Termin zu haben, da der Wert meistens schlecht bis sehr schlecht ist. Merke, wenn man selbst 60 % hat (was schon schlecht ist), ist es immer besser noch einen 90er Kandidaten dabei zu haben. Erste Frage der Kinder wenn ich einen Termin in nächster Zeit ankündige, ist also immer: „wer geht mit?“ Je nachdem, sorgt das dann für Ent- oder Anspannung. Das Kind mit dem besten Wert bekommt anschließend ein Eis oder irgendeine andere Belohnung.

Ein Teil unserer Kinder hat bereits Zahnspangen und dafür war es notwendig unser zweitältesten Tochter ebenfalls 4 Zähne zu ziehen. Ich, selbst der größte „Schisser“, den man sich vorstellen kann, erklärte ihr ganz ruhig, dass das wirklich nicht schlimm wäre und, dass sie sich jetzt mal bitte nicht so anstellen solle. Ihre Bedingung, dass ich dann aber mitkommen sollte, akzeptierte ich zähneknirschend. Also stand ich am Fußende und streichelte ihr Bein während ich schwankend und kreidebleich an die entgegengesetzte Wand starrte. Ich bin fast gestorben, wohingegen sie wiederum das Ganze unglaublich souverän durchstand und bester Dinge war. Ihr Angebot, die gezogenen Zähne doch mal anzusehen, ließ ich unkommentiert.

Jahrelang war ich bei einem Zahnarzt im Nebendorf in Behandlung, der mir stets versicherte, dass bei meiner jährlichen Kontrolle alles in bester Ordnung sei. Irgendwann meinte mein Spießer-Ehemann, dass meine Zahnzusatz-Versicherung (auf die natürlich auch er, bereits zu Beginn unserer Beziehung, bestanden hatte) auf 100% Zuzahlung erhöht werden sollte. Ich verband die jährliche Kontrolle mit der dafür notwendigen Untersuchung und vereinbarte einen Termin. Dort teilte man mir mit, dass im Prinzip alles in Ordnung sei und nur ein Zahn überkront werden sollte. Ich fiel aus allen Wolken und wollte diese Diagnose beim Zahnarzt meines Mannes und der Kinder (eben Dr. Grünewald) überprüfen lassen. Gesagt, getan. Der Termin kam und zuerst schaute er sich alles an und anschließend wurde ein Röntgenbild erstellt. Was dann kam, konnte ich wirklich kaum glauben. 4 Füllungen und 4 Inlays waren fällig. Wie das passieren konnte, frage ich mich noch heute.

Ich ging also zu den Terminen, die zur Vorbereitung der Inlays nötig waren. Das klingt harmlos. War es aber nicht. Unvergessen dabei der Satz des hauseigenen Zahntechnikers, der kurz vor der Tortur (vom Zahnarzt Behandlung genannt) in das Behandlungszimmer kam und zu mir meinte : „Trotzdem noch einen schönen Tag“. Die Bedeutung wurde mir erst während der Behandlung klar. Teilweise mussten die Zähne bis fast zu den Nerven runtergeschleift werden. Nach 10 Geburten dachte ich, ich kenne meine persönliche Grenze, 3 – 4 Stunden Dauerbohren und -schleifen beim Zahnarzt sind aber nochmal eine ganz andere Nummer. Kurzum, mich haut jetzt nichts mehr um. Ok, Wackelzähne vielleicht doch noch…

Mobile Security

Mein Mann ist der größte Spießer, den man sich vorstellen kann. So hat er sich wahnsinnig über unsere Tochter aufgeregt, weil diese ihren Telefon PIN auf 1234 änderte. Dies sollte auch gleich Folgen haben. Vor einiger Zeit waren wir in Bonn im Kleinen Theater. Die Leiden des jungen W standen auf dem Programm. Das erinnerte meinen Mann an seinen ersten Besuch dort vor 35 Jahren. Damals wurde Faust I dargeboten. Dementsprechend war die Vorfreude auf ein Wiedersehen groß. Wir sahen uns das Stück an und gingen guter Dinge die 5 Minuten zurück zum Auto auf dem Parkplatz an der Stadthalle. Dort angekommen wunderte ich mich über das geöffnete Handschuhfach im Auto. Erst danach bemerkte ich die eingeschlagene Scheibe auf der Beifahrerseite. Unser Auto wurde aufgebrochen. Überall im Schnee und auf dem Sitz lagen Scherben.

Ich konnte es nicht fassen. Der Parkplatz war in unmittelbarer Nähe zum Theater und direkt gegenüber war ein Restaurant. Ausserdem war er einigermaßen gut beleuchtet. Trotzdem hat sich irgendein Trottel die Mühe gemacht, den wirklich nicht sonderlich attraktiven Wagen aufzubrechen. Trottel deshalb, weil er zwar das alte Handy unserer Tochter mitgenommen hatte, samt defekter Powerbank aber meinen Geldbeutel inklusive zweier Kreditkarten, meines Führerscheins und des Personausweises übersehen hatte. Ich hatte bereits mein Handy in der Hand, war ganz stolz, dass mir tatsächlich die offizielle Sperr-Hotline-Nummer einfiel und begann bereits, mich durch die Möglichkeiten des Anrufmenüs durchzuarbeiten.

Apropos Trottel, wer kam eigentlich auf die Idee, dass man die Nummer der gestohlenen Kreditkarte bei der Sperrung angeben muss? Wer hat die im Notfall parat oder im Kopf? Hier ein hilfreicher Tipp für alle. Entweder ein Bild der Karte, samt Nummer im Handy speichern oder zumindest auf die Idee kommen, im Online-Banking nachzusehen. Sonst wird es peinlich, weiß ich jetzt. Ohne die Reaktion meines Gegenübers am Telefon jetzt in allen Einzelheiten zu beschreiben, kann ich sagen, dass es besser ist, die Nummer parat zu haben wenn man die Karte sperren möchte/muss. Während ich versuchte meinem Mann zu signalisieren, dass ich alles im Griff hätte, entdeckte ich den Geldbeutel im Auto. Merke: Wenn das eigene Auto aufgebrochen wird, ist es immer gut, wenn Vollidioten am Werk sind.

Mittlerweile hatte mein Mann die Polizei informiert, die tatsächlich auch nach 40 Minuten mit zwei großen Vans vorfuhr. Hatte ich bereits erwähnt, dass Schnee lag und die Temperatur bei -8° nicht sonderlich angenehm war? Einer von uns musste an der Straße warten und den Polizisten zeigen, wo das Auto stand. Der andere konnte im Wagen warten und sich bei laufendem Motor halbwegs warm halten. Ich muss wahrscheinlich nicht erwähnen, wer welchen Part übernahm? Ich war passend für das Theater gekleidet aber definitiv nicht für einen einstündigen Aufenthalt im Freien, also stand ich natürlich draußen. Mein Mann wiederum saß mit Handschuhen und Mütze (Equipment, das er in allen Jacken griffbereit hat) im Auto und wärmte sich an der Heizung. Glücklicherweise war ich so sauer, dass ich die Kälte kaum wahrgenommen habe.

Die Polizisten waren sehr verständnisvoll, hilfsbereit und zuvorkommend. Zudem gaben sie uns wertvolle Tipps zur Versicherung und Schadenabwicklung. Der Hinweis, besser keine Wertsachen im Auto liegen zu lassen, erschien mir noch nie so sinnvoll. Die Beamten waren wirklich top und das hatten wir so nicht erwartet. Zuerst klebten wir mit ihrer Hilfe die Seitenscheibe ab, um auf dem Nachhauseweg nicht zu erfrieren. Gut gedacht, aber schlecht gemacht. Ohne Außenspiegel weigerte sich mein Mann nach Hause zu fahren. Also doch frieren, in Nylons. Zuhause angekommen wurde direkt die SIM-Karte gesperrt und der Schaden bei der Versicherung gemeldet. Zuvor hatte unser Ältester aber noch eine WhatsApp-Nachricht von der übelsten Sorte, die ich hier wirklich nicht zitieren kann, an die Nummer geschickt. Anschließend zeigte sich jedoch, der oder die Hornochse(n) hatten sich Zugang zum Handy verschafft. Welche Überraschung bei Verwendung eines 1234 Codes.

Mein Mann regte sich riesig auf. Unser Ältester jedoch freute sich wie ein kleines Kind, dass seine Nachricht zugestellt wurde. Wir konnten das Handy über andere Wege weitestgehend unbrauchbar machen, trotzdem war es unnötig und ärgerlich. Allein es im Auto liegen zu lassen, war selten dämlich. Heutzutage muss man jederzeit mit allem rechnen. Wir waren zu gutgläubig.

Als Konsequenz daraus verschärfte mein Mann alle Sicherheitseinstellungen an allen unseren mobilen Endgeräten. Natürlich um sie gleich danach wieder zu vergessen. Auch das sollte Folgen haben, wenn auch zeitversetzt. Viele Monate später tingelte er durch diverse Mobilfunkläden, um sich beraten zu lassen. Zudem wollte er wissen, ob sein aktuelles Handy Dual-SIM-fähig sei. „Schauen wir gleich mal rein, dann wissen wir es“ meinte der Berater. Gesagt, getan. Er öffnete den entsprechenden Slot am Gerät und dann ging es los.

Ein ohrenbetäubender Alarmton ertönte in gleichmäßigen Abständen. Der Laden war gut besucht und alle schauten „seinen“ Berater an. Schließlich kam dieser Lärm aus seiner Ecke. Zuerst reagierte sein Kollege: „Was hast du gemacht Bruder?“. „Ey, nix, save nichts, ich schwöre“ kam es zurück. „Mach das aus jetzt Bruder“ wurde er von seinem Kollegen zurechtgewiesen. „Bruder, ich hab nix gemacht, save. Keine Ahnung was das ist, Alter“.

Langsam dämmerte meinem Mann was das war. Er hatte die Securityeinstellungen seines Handys so geändert, dass bei einer Entfernung der SIM-Karte ein ebensolcher Alarm ertönte. Aufgrund der Kinder mit Jugendsprache bestens vertraut, rief er dem Berater zu: „Bleib locker Alter, Bruder ich glaub ich weiß was los ist. Save gib mal Handy“. Das Handy alarmierte nach wie vor auf „Full Power“. Die eingegebene Security Policy hatte das Handy gesperrt. Also ruhig bleiben und die SIM-Pin eingeben. Geschafft! Allein, der Alarm ertönte weiter in voller Lautstärke. Jetzt musste noch die Telefon-Pin eingegeben werden. Einziges Problem: Mein Mann nutzt ellenlange Passwörter und vergisst sie dann. Wie auch jetzt in dieser Stresssituation. Gleich die erste Eingabe war falsch und auch die zweite Eingabe war falsch. Der Alarm ertönte munter weiter und der Stresspegel stieg merklich an. „Bruder, was machst du da? Mach das aus“. Der dritte Versuch sass, das Handy war entsperrt. Der Alarm jedoch war weiter aktiv. Jetzt noch schnell rein in die Security-App. Aber auch diese hatte mein Mann mit einer separaten PIN versehen. Und so dauerte es und dauerte und dauerte. Ein großartiges Schauspiel war in vollem Gange. Also App entsperrt und Ruhe war. Endlich. „Alter, was hast du für ein Handy, krass.“ In dem Laden kann er sich definitiv nicht mehr sehen lassen. Man kann ihn nirgends mit hinnehmen, wirklich nirgends.

So ein Tag, so wunderschön wie heute…

Meine Tage starten im Dreischicht-Betrieb. Die erste Schicht beginnt um 5:30 Uhr. Die pubertierenden Monster wecken, Grundhygiene kontrollieren, Brote schmieren, Obst schneiden, Beschimpfungen ertragen, Streit schlichten (und Schlimmeres verhindern) und rechtzeitig alle aus dem Haus schmeißen. Danach 10 Min Ruhe um langsam wieder runterzukommen. Anschließend, kurz nach 7 Uhr die Grundschüler mehr oder weniger sanft aus dem Bett schmeißen, sie irgendwie dazu bringen, dass sie sich anziehen und die Zähne putzen, bei der Suche nach einem Paar Schuhe helfen und dann (meistens) rechtzeitig losschicken zur Schule. Dann, kurz nach 8 Uhr die anspruchsvollste Schicht… Die Kleinen sanft wecken (sonst ist der Tag direkt gelaufen), duschen und dann Schuhe suchen… Immer den zweiten Schuh suchen. Bei den Socken habe ich es bereits aufgegeben, hier gehen wir mit dem Trend und tragen prinzipiell unterschiedliche Socken. Wir haben 2 riesige Wäschekörbe mit einzelnen Socken. Irgendwo in unserem Haus müssen Berge an Socken liegen, die sich jedoch erfolgreich vor mir verstecken. Falls wir irgendwann umziehen, werde ich diese finden, mit ihren Partnern verbinden, sie verkaufen und damit unseren gesamten Umzug finanzieren. Gestern ließ ich mich feiern, weil ich tatsächlich ein passendes Sockenpaar für unseren Fünfjährigen gefunden hatte. Damit war nun wirklich nicht zu rechnen. Darauf der Kleine, ganz ernst, zu mir: „Mama, in unserer (Kindergarten-)Gruppe gibt es den …, der hat jeden Tag die gleichen Socken an.“ Er meinte identische Sockenpaare. Ich habe ihm daraufhin erklärt, dass sowas nur Spießer machen, aber er war nicht komplett überzeugt. Interessant daran finde ich, dass es aus seiner Sicht offenbar nur ein Kind gibt, dass die gleichen Socken trägt. Ein sehr tröstlicher Gedanke… Ich liebe den Winter, denn dann tragen die Kinder Strumpfhosen.

Heute war wieder einer der anspruchsvolleren Tage. Zuerst musste ich die Wogen bei den Großen glätten, da es aufgrund diverser Verfehlungen seit gestern Abend ein generelles Verbot für elektronische Geräte gibt. Kam nicht gut an, die Kinder waren in heller Aufregung und gingen mal nicht aufeinander, sondern auf mich los. Da sieht man mal wieder, zur Gruppenbildung brauchst Du nur einen gemeinsamen Feind. Papa! Wie auch immer, sie sind rechtzeitig los und damit war die erste Schicht geschafft. Die zweite Schicht gestaltete sich entspannt. Die dritte Schicht begann gut und endete schließlich doch im Desaster. Ich habe sie sanft geweckt, die Kleidung und die Taschen waren gerichtet. Schuhe, sogar paarweise, standen bereit. Alles lief nach Plan. Bis die Jungs auf die Idee kamen, mit Papa Fußball zu spielen. Über mehrere Zimmer verteilt. Soweit so gut. Naturgemäß gibt es dabei immer einen Verlierer und der hat dann richtig miese Laune. So auch heute. Unser Dreijähriger hatte das Spiel ganz offenbar verloren, denn so gut er vorher gelaunt war, so schlecht war seine Laune nun. Zu allem Unglück kam das Ende der sogenannten „Bringzeit“ näher und er hatte die Schuhe falsch herum angezogen. Anstatt darüber hinweg zu sehen, machte ich den Fehler ihn darauf hinzuweisen und ihm gleichzeitig meine Hilfe anzubieten. Anfängerfehler, ich weiß. Ab diesem Moment ging gar nichts mehr. Zuerst zog er seine Jacke wieder aus, dann versteckte er sich hinter dem Sofa. Ich, mit Blick auf die Uhr, freundlich aber bestimmt zu ihm: „Wir müssen jetzt los, der Kindergarten schließt gleich die Türen und wir kommen nicht mehr rein.“ Funktionierte bis vor Kurzem ganz gut, jetzt kam die Antwort: „Super, ich gehe hoch zu Papa und spiele weiter Fußball – Ich will zu meinem Papa“. Er fing an zu brüllen und zu toben. Ziel knapp verfehlt. Ähnliches hatte ich vor 2 Jahren bereits mit unserem Fünfjährigen erlebt. Er ist ebenfalls ein absolutes Papakind und wollte nicht akzeptieren, dass wir dringend weg mussten, leider ohne den Papa. No Go. Er machte im Auto ein Riesentheater und drohte damit sich abzuschnallen. Pädagogisch wertvoll erklärte ich ihm daraufhin, dass ich ihn jetzt gleich aus dem Auto lasse und er dann im Wald auf mich warten könnte. Antwort seinerseits: “ Ja genau, lass mich raus, ich laufe dann zu meinem Papa“. Schlimm wenn die Kinder erstmal denken und reden können.

Wie auch immer, irgendwann hatte ich den Dreijährigen dann soweit, dass wir zum Kindergarten fahren konnten. Laufen klappte nicht mehr – es waren nur noch 10 Minuten Zeit. Wir kommen also um 8:55 Uhr im Kindergarten an. Ich war ganz stolz, Bringzeit ist ja bis 9 Uhr. Alles gut also. Dachte ich zumindest… Aus irgendwelchen Gründen beginnt der unfassbar wichtige Morgenkreis aber exakt zum Ende der Bringzeit um 9 Uhr. Wer auch immer sich das überlegt hat, muss ein Planungsgenie sein. So konnte ich mich also in drei Gruppen auf meine Verfehlung hinweisen lassen, mit dem Zusatz, dass die Kinder jetzt eigentlich vor der Türe warten müssten. Unter anderem unsere knapp Zweijährige. Freundlicherweise hat man sich erbarmt und die Kinder durften trotzdem in die Gruppe kommen. So wünscht man sich den Start in den Tag. Kann nur besser werden…

Der Opa geht Plasma spenden

Letztes Wochenende habe ich meinen Mann mit einigen Kindern vor die Türe gesetzt. Es ging zuhause drüber und drunter. Mein Mann spielte mit den Kindern Fußball im Flur und die Emotionen kochten hoch. Keiner der Bengel kann verlieren und mein Mann schon gar nicht. Es endete in einem Mix aus Fußball, Rugby und Judo. Die diversen Beschimpfungen lasse ich einmal außen vor. Klassischer Fall von „Bis eins heult“. Also raus mit ihnen. Mein Mann fuhr mit ihnen auf eine Laufbahn und ließ sie sich austoben. Er selbst saß während dieser Zeit auf einer Parkbank in der Sonne neben seinem „Kleinen König“, unserem Fünfjährigen. Sie führten Männergespräche. Etwas Bewegung hätte ihm sicher auch nicht geschadet, aber gut.

Diverse Spaziergänger gingen an den beiden vorbei. Einer jedoch sprach die beiden an: „Das sieht man direkt, da sitzt der Kleine mit seinem Opa auf der Bank und genießt das Leben“. Die durchweg gute Laune der beiden trübte sich ein. Mein Mann drehte sich um und schaute nach hinten. Aber da war niemand. „Ich hoffe sie meinen nicht mich, oder machen einen Scherz“ antwortete er dem Fremden kühl. „Ach, dann sind sie wohl der Onkel?“ „Ne, die Biene Maja“. Jetzt war mein Mann angestachelt. „Wonach sieht es denn aus?“ „Der Vater vielleicht?“ Die Stimme des fremden Spaziergängers war nun eingeschüchtert. „Natürlich“ schaltete sich der Kleine König ein. Heimlich still und leise zog der Spaziergänger nun mit seinen Hunden von dannen. Mein Mann rief mich sofort an und meinte zu mir: „Du glaubst nicht, was mir gerade passiert ist“. Er erzählte mir alles im Detail und meinte: „War das nett?“ Wohl eher nicht, entgegnete ich und kam aus dem Lachen nicht mehr heraus. Meine Beschwichtigungen liefen ins Leere und bis heute denkt er darüber nach. Seine noch verbliebenen Haare kontrolliert er nun täglich. Bilder von hinten, aus erhöhter Position sind schon seit einiger Zeit nicht mehr gewünscht, da er seinen lichten Hinterkopf nicht akzeptieren will. Vor ein paar Jahren hatte er ein Bild von sich selbst am Tisch gesehen – von hinten. Entsetzen pur.

Mir erging es indes auch nicht besser. Die Kinder überzeugten mich davon, dass ich einen Instagram-Account bräuchte. Gesagt, getan. Ich legte ihn an und bekam nahezu postwendend eine Nachricht von einem „Vorname_Nachname_1995“-Account. Inhalt: Hallo, ich bin… und Single. Irgendwie süß, aber das Profilbild zierte das Logo des KSC. Damit ohnehin schon ein NoGo. Ich amüsierte mich königlich über die Nachricht und zeigte sie den Kindern. Daraufhin unser Ältester zu mir: „Mama, hast Du Dein Alter hinterlegt? Oder ein Bild? Dann bekommst Du solche Nachrichten garantiert nicht mehr.“ Kein Problem, das Testament ist mittlerweile von mir entsprechend angepasst worden. Mistkerl…

Für meinen Mann kam es aber noch schlimmer. Bei einem Spaziergang durch Koblenz entdeckte er vor Kurzem ein Zentrum für Plasmaspende. Dazu muss man wissen, bevor ich ihn kennenlernte, ging er regelmäßig zur Blutspende beim DRK. Im Laufe der Zeit kam er nicht mehr dazu, oder es ging unter. Wie auch immer, er war nun wieder bester Dinge und wollte etwas Gutes tun. Also hin und erstmal einen Termin zur ärztlichen Untersuchung vereinbart. Dabei kam Bluthochdruck zum Vorschein, klassisches Problem älterer Herrschaften. Auf die sonstigen „Altherrenkrankheiten“ gehe ich separat ein. Mein Mann entgegnete der Dame am Blutdruckmessgerät: „Ich gehe eher davon aus, dass ihre Messgeräte hier in die Jahre gekommen sind“. „So wie sie“ kam zurück. Die Begeisterung für’s Plasmaspenden war komplett dahin. Trotz allem ließ er sich zu einer Erstspende überreden. 1,5 bis 2 Liter Wasser sollte man im Vorfeld trinken. Wasser trinken und mein Mann, das ist an sich schon eine Geschichte für sich. Immer, aber wirklich immer, wenn er Wasser trinkt, endet das in einer wahren Pinkelorgie. Funktioniert lustigerweise nur mit Wasser. Pinkelorgie meine ich genau so wie ich es sage. Er trinkt ein Glas Wasser und gefühlte fünf kommen wieder raus. Das an sich wäre ja nicht so schlimm, der enge Zeitablauf jedoch macht es spannend. Nach dem Trinken passiert erstmal nichts, aber dann, so nach fünfzehn Minuten geht es los. Ich schicke ihn also auch immer mit den Kindern nochmal auf die Toilette bevor wir unterwegs sind. Es dauert keine fünf Minuten und wieder Pipi. Danach werden die Abstände kürzer, die WC-Odyssee beginnt.

Der Tag der Spende war gekommen, die Vorbereitungen starteten früh morgens. So gegen 8 Uhr begann mein Mann damit, Wasser zu trinken. Bis gegen 9 waren die ersten eineinhalb Liter getrunken. Noch war alles gut. Die Pipiorgie startete pünktlich wie immer und nach einiger Zeit schien das Problem gelöst. Er machte sich auf den Weg nach Koblenz. Nach genau 7 Minuten im Auto hielt er an und erleichterte sich am Straßenrand. „Hui, das ging gerade nochmal gut“ meinte er. Keine fünf Minuten später: „Ei ei ei, jetzt pressiert es aber“. Ich dachte, ich höre nicht richtig. Autobahnparkplatz und los geht’s. Ich dachte wir kommen nie mehr an. Jetzt reichte es bis zu McDonalds an der B9. Keine zehn Minuten später, am LöhrCenter angekommen, im wilden Galopp auf die Toilette. Ich konnte nicht mehr an mich halten, ich musste so sehr lachen. Es ging nicht mehr. Der blanke Stress stand meinem Mann ins Gesicht geschrieben. Die Entfernungen wurden ab sofort nur noch in Toilettenstopps berechnet. Es war großartig, zumindest für mich. Jetzt waren es nur noch 10 Minuten zu Fuß bis zum Spendezentrum. Das sollte doch gehen. Weit gefehlt, jetzt wurde gerannt. Dort angekommen, ging es sofort auf die Toilette. Als wäre es noch nicht komisch genug, wurde ihm auch noch eine Capri Sonne angeboten, die er im Vorfeld der Spende trinken sollte. „Das lassen wir mal lieber“ meinte mein Mann, es sei denn sie verlegen auch Katheter während der Spende. Jetzt startete das übliche Prozedere vor einer Spende, jeweils nur unterbrochen von weiteren Toilettengängen. „Reiß dich mal zusammen, ist das peinlich mit dir“ schaltete ich mich ein. „Ich könnte schon wieder“ kam zurück. Interessanterweise konnte ich mir in allen Schwangerschaften anhören, dass ich mich diesbezüglich doch bitte nicht so anstellen solle. Die Problematik ist mir also bekannt. Mein Mitleid hielt sich allerdings massiv in Grenzen. Jetzt war alles zu spät, er wurde aufgerufen. Mein Mann gleich nochmal auf die Toilette. „Da kann doch jetzt wirklich nichts mehr kommen“ wurde ich deutlich. „Hast du eine Ahnung“ bekam ich als Antwort. „Geht es Ihnen gut?“ „Klar, etwas Harndrang, aber sonst alles in Butter“. „Das hören wir häufiger von älteren Herrschaften, das ist in ihrem Alter ganz normal“. Die Stimmung kippte. Erst als Opa tituliert und jetzt das. Er überstand die Spende ohne Unterbrechungen. Aber kaum war sie zu Ende, ihr wisst schon…

Wir sind jetzt ganz offiziell zu alt…

unter anderem für einen Escape-Room. Vor kurzem waren mein Mann und ich in einem solchen. Dabei wurde uns schmerzlich bewusst, dass wir definitiv zu alt dafür sind. Wir waren so unfassbar schlecht. Spoiler: Wir haben es natürlich nicht in den dafür vorgesehenen 60 Minuten geschafft, nicht mal annähernd.

Die Einführung der freundlichen Mitarbeiterin hat das Ganze nur noch schlimmer gemacht. Sie meinte, dass sie uns die gesamte Zeit über eine Kamera beobachten wird und eigentlich nur einschreiten wird, wenn wir ‚hinter der Zeit sind‘. Kurzum nach 8 Minuten kam der erste von vielen, sehr vielen Hinweisen über den Bildschirm. Selbst damit kamen wir teilweise nicht wirklich weiter. Erst als irgendwann alle 4- 5 Minuten Nachrichten kamen und sie uns praktisch die Lösung vorgegeben hatte, konnten wir einen Teil der Rätsel lösen. Irgendwann meinte mein Mann, dass wir in unserem Alter besser ein Stück Kuchen essen gehen sollten. Der Schmach nicht genug, erbarmte sich unsere Spielleiterin nach Ablauf der 60 Minuten zu uns zu kommen und uns (noch mehr) zu helfen. Selbst mit ihrer Hilfe benötigten wir noch weitere 10 Minuten, um den Raum verlassen zu können. Ich glaube, es lag an meinem Mann. Er wiederum sieht die Schuld bei mir und stellte fest, dass die teilweise nicht so ganz guten Noten der Kinder dann wohl auf mein Konto gehen würden. Der Beweis wäre jetzt erbracht.

Zum Abschluss bekommt man noch ein Bild geschenkt. Für dieses soll man sich Schilder aussuchen, die man vor sich hält. Es gab Schilder mit dem Aufdruck ‚Winner‘, I’m the best‘, We saved the world‘ etc.. Wir haben uns wahrheitsgemäß für ‚Mr. Nobody‘ und ‚I’m stupid‘ entschieden. Bevor wir gingen, fragte ich blöderweise bei wieviel Minuten der Rekord zum Lösen unseres Raumes lag. ’28 Minuten‘ war die Antwort. Frustriert zogen wir von dannen. Zu unserer minimalen Ehrenrettung sei gesagt, dass man diesen Raum mit bis zu 10 Personen ‚bespielen‘ kann. OK, wenn die anderen 8 aber genauso schlecht sind wie wir…

Nichtsdestotrotz war es ein gelungener Abend. Wenn man es aus der richtigen Perspektive heraus sieht. Wir waren vor langer Zeit bei einem Auftritt des bekannten Psychologen Dr. Lütz mit seinem Bühnenprogramm ,(…) Irre, wir behandeln die Falschen‘. In diesem sagte er unter anderem, dass es völlig egal sei was man als Paar gemeinsam macht. Es kommt nur darauf an, dass man es zusammen erlebt und darüber reden kann. Das können wir!

Leichentransport oder Powernap?

Die größte Sorge meines Mannes bei gemeinsamen Autofahrten ist, dass er irgendwann von der Polizei angehalten wird aufgrund eines vermeintlichen Leichentransports. Zum Hintergrund: es gibt ja Frauen, die wunderschön und friedlich aussehen wenn sie schlafen. Im Fernsehen zum Beispiel, da sehen die Frauen immer ganz fantastisch aus wenn sie schlafen. Also im Prinzip ganz anders als ich.

Da ich das powernapping mittlerweile perfektioniert habe, kann ich meistens innerhalb weniger Minuten (ganz, ganz weniger Minuten) tief und fest schlafen. Mit offenem Mund, etwas Sabbel und komplett überstrecktem Hals sitze ich also im Auto und schlafe. Anstatt süß und lieblich sehe ich dabei eher aus wie eine Leiche. Ich weiß das deshalb so genau, weil mein Göttergatte unheimlich gerne währenddessen Bilder von mir macht. Diese präsentiert er mir im Anschluß natürlich genüsslich oder schickt sie in die Whattsapp-Familiengruppe.

Powernap kann ich überall. Wenn wir nach einer kurzen Nacht beispielsweise ins Theater gehen (oder zu einer Lesung) schlafe ich regelmäßig ein. Da ich nicht schnarche, fällt das auch nur den direkten Nachbarn auf. Eigentlich zumindest… Bei einem unserer letzten Theaterbesuche hatte ich ebenfalls kurz die Augen geschlossen. Als AUF der Bühne, als Teil der Aufführung geklatscht wurde, wurde ich dadurch wach. Ich habe nur den Applaus gehört, wollte höflich sein und habe ebenfalls geklatscht. Als einzige im Publikum. Ich will das nicht dramatisieren, aber das war schon wirklich unfassbar peinlich.

Mein Mann wiederum kann nur richtig tief und lange schlafen und er hasst es, wenn man ihn weckt. Vor ein paar Jahren wollte er unbedingt einen James Bond im Fernsehen sehen. Den James Bond mit der Szene, in der Haie seinen Freund/Kollegen auffraßen. Ich war schwanger zu dem Zeitpunkt und habe die Angewohnheit sehr intensiv währenddessen zu träumen. Also träumte ich von einem Hai-Angriff. Natürlich habe ich mich heftig gegen den vermeintlichen Hai gewehrt. Tatsächlich war es jedoch mein Mann neben mir im Bett, auf den ich einprügelte und dem ich mehrfach auf die Nase schlug. Bevor er davon wach wurde, wurde ich wach und wusste genau, dass das richtig Ärger gibt. Ich kuschelte mich also in meine Decke und stellte mich schlafend, während er völlig irritiert wach wurde und die Welt nicht mehr verstand. Er ahnte jedoch, was passiert war und stellte mich am nächsten Morgen zur Rede. Meine Antwort, da wäre ein Hai gewesen, machte es nur noch schlimmer. Seine gute Kinderstube verhinderte Schlimmeres in der Nacht.

Mitunter wird er dann aber doch wach. Beispielsweise wenn ich Nachts die Orientierung verliere. Während einer Schwangerschaft kam es vor, dass ich im Schrank statt im Bad landete. Ich wollte mich gerade mit runtergelassener Hose auf seinen Schuhen erleichtern, als er wach wurde und mich sehr, sehr deutlich auf meinen Fehler hinwies. Auch ziemlich peinlich.

Lesung oder Heizdecke oder beides?

Mein Mann und ich sitzen gerade in einem Reisebus, der uns zu einer Lesung in der Nähe bringen soll. Ich fühle mich unangenehm an eine Kaffefahrt, vor ca. 30 Jahren, erinnert. Diese hatte die Mutter meines damaligen Freundes gebucht und ich war der Meinung, dass es besser wäre auf sie aufzupassen. Außerdem man muss alles mal mitgemacht haben, um darüber reden zu können. Kurzum, es war genauso wie ich es mir vorgestellt habe und seine Mutter hat tatsächlich darüber nachgedacht eine Heizdecke zu kaufen. Die Lokation war, wie man es erwartet, ein einsames Landgasthaus an einer Bundesstraße im Niemandsland, das sich offenbar darauf spezialisiert hatte, ältere Herrschaften ins finanzielle Verderben zu treiben. Für mich war das eine Lehrstunde des Vertriebslebens und gleichzeitig eine faszinierende Erfahrung. Wie unrealistisch real ein Teil der älteren Herrschaften die Situation einschätzte wirklich unglaublich. Bis heute sehe ich noch eine Dame vor mir, die mir sagte, dass es trotzdem allemal besser sei, als alleine zuhause rumzusitzen. Traurig, so etwas zu hören.

Aus dieser Erfahrung heraus, habe ich meinem Mann bereits gesagt, dass wir nach der Lesung wahrscheinlich erst 5 Bücher kaufen müssen, bevor die Türen wieder geöffnet werden und wir mit dem Bus zurück fahren dürfen. Alles andere würde mich überraschen. Kleiner Exkurs, ich komme gleich zur Lesung zurück.

Ansonsten weiß ich mal wieder genau warum ich Kinder bekommen habe, sie sind ein Quell unendlicher Freude. Zumindest teilweise. Vergangene Nacht eher nicht. Prinzessin Lady Laure (18 Monate alt und damit die Jüngste im Bunde) hatte schlecht geschlafen. In der Hoffnung auf ein bißchen mehr Schlaf nahm ich sie um 2 Uhr nachts zu mir in Ihrem Zimmer, wo sie sich dann (natürlich dicht an mich gekuschelt) die Seele aus dem Leib gebrochen hat. Ich gehe jetzt nicht ins Detail aber sie hatte zuvor drei Fläschchen Milch getrunken. Daraufhin war das Bett nicht mehr benutzbar. Den Geruch kann sich jeder vorstellen. Daher nahm ich sie mit ins Wohnzimmer um dort dann, gemeinsam mit ihr um 6 Uhr, von ihren etwas älteren Geschwistern (7 und 5 Jahre alt) geweckt zu werden. Ihr Anliegen: Sie mussten dringend fragen, ob das Toastbrot in der Küche denn für das Frühstück gedacht wäre. Und das am Sonntag Morgen.

Unser ältestes Pubertier (16 Jahre) und seine Schwester (15 Jahre) waren in den letzten 3 Wochen bei einem Truppenbesuch bei der Marine. Da sie nächstes Jahr die Schule beenden und wir in diesem Umfeld fordernde Eltern sind, müssen sie in allen Ferien ein Praktikum oder einen Ferienjob absolvieren. Dies soll Ihnen helfen, eine Vorstellung davon zu bekommen, was sie denn gerne in ihrem Leben machen würden. Zudem müssen sie den Wert des Geldes erlernen. Ausgegeben ist es schnell, erarbeitet werden muss es hart. Zugegebenermaßen hält sich ihre Begeisterung darüber in engen Grenzen aber ich bin sicher, irgendwann werden sie uns dafür dankbar sein. Der Truppenbesuch war so eine Möglichkeit, die von uns als Schulpraktikum genutzt wurde. Die Lehrerin war etwas erstaunt darüber und erklärte mir umgehend, dass es ihr leider nicht möglich sei nach Kiel zu fahren. Eigentlich sollten dort die obligatorischen Lehrer-Unternehmen-Feedback-Gespräche geführt werden, aber sie hat sich schweren Herzens damit abgefunden, dass diese ausfallen. Unsere Kinder mussten also jeweils alleine (weil 2 getrennte Wochen) mit dem Zug nach Kiel fahren, sich dort vor Ort zurecht finden und anschließend wieder mit dem Zug zurück fahren. Sie haben alles mit Bravour gemeistert. Wichtigste Erkenntnis unserer Tochter: Das Leben in der Kaserne ist gar nicht so anders als zuhause. Wichtigste Erkenntnis unseres Sohnes: Das Essen geht gar nicht und zu meinem Mann: im direkten Vergleich ist das Essen der Alten (er meinte mich) gar nicht so schlecht. Perspektivisch hat es sie auch weitergebracht.

Zum Thema Essen gibt es noch folgende Fun Facts. Einer unserer Zwerge (3 Jahre alt) ernährt sich hauptsächlich von Milch und meinte vor Kurzem völlig entsetzt zu mir: Mama, warum kaufst du sowas? Gemeint waren Broccoli und Bohnen. Zwei Tage später erlaubte ich mir Chili con Carne zu kochen. Er darauf: Mama, wenn ich das essen soll, dann muss ich sterben. Soweit kam es dann doch nicht.

Zurück zur Lesung, diese ist nun zu Ende. Zu meiner Überraschung mussten wir doch keine Bücher kaufen. Auffällig war trotzdem die Nähe des ‚Merchandising‘ mit Exemplaren des aktuellen Buches am einzigen und engen Ausganges. Viel Platz zum Vorbeidrängeln war da nicht. Abschließend kann ich zu meiner ersten Lesung sagen, dass es nach der letzten Nacht eine hervorragende Variante war, um mehrfach den Schlaf in kurzen Powernaps nachzuholen. Will heißen, hat mich nicht begeistert. Trotzdem keine verschwendete Zeit. Während dieser Lesung wurde mir eines klar: Ich werde definitiv ein Buch schreiben.

Wer ich bin und wie es zu diesem Blog kam.

„Bremsen, Lösen, Lenken“, „Kind, achte auf Deine Linie“, „immer schwätze mit de Leut“ und eben „Bis eins heult“ sind mir als die einprägsamste Lebensweisheiten aus meiner Kindheit präsent. „Bis eins heult“ war DER Standardspruch unserer Mutter um meine große Schwester, mich und unseren kleinen Bruder irgendwie zur Vernunft zu bringen wenn es mal wieder drüber und drunter ging. Da ich diesen Satz ebenfalls häufig benutze um meine 10 Kinder (von knapp 2 Jahren bis 16 Jahren, 6 Jungs und 4 Mädchen) und vor allem meinen Mann in den Griff zu bekommen, erschien er mir als Blog-Name sehr passend.

Zu mir: Ich wurde 1977 am Rande des Schwarzwalds als 2. Tochter eines Forellenzüchters geboren und lebe mit meinem genannten Anhang inklusive der 2 Riesenschnauzer und einem Kater im Eigenheim im Westerwald. Ich bin mittlerweile problemlos einsetzbar als Erzieherin, Lehrerin (1. – 10. Klasse), Friseurin, Hundefriseurin, Malerin, Krankenschwester und Psychologin. Dank unserer beiden Ältesten könnte ich auch jederzeit in einer HR-Abteilung eingesetzt werden. Bewerbungen, Vorbereitungen zu Vorstellungsgespräch en und Feedback-Gespräche mit Praktikastellen runden mein Profil ab. Das ein oder andere, wie zum Beispiel das Haareschneiden, kam Dank Corona dazu. Alleine das führte schon zu manch lustigen Situationen. Das letzte Mal Haareschneiden bei meinem Mann endete damit, dass er 15 min lang mit einem Messer vor der Badezimmertüre stand während ich von innen versuchte, ihm einzureden, dass man die rechte Seite während des direkt danach anstehenden Online-Meetings überhaupt nicht sehen würde, wenn er sich nur richtig platziert.

Bei uns ist es häufig sehr laut, meistens liebenswert aber garantiert immer chaotisch. Über dieses Chaos möchte ich gerne berichten, um die Erinnerung für uns als Familie zu erhalten (weil man einfach sehr vieles vergisst) und weil ich glaube, dass es für Außenstehende meistens sehr amüsant und mindestens erstaunlich ist, was einem so alles passieren kann, wenn man so viele Individuen mit allen Bedürfnissen und Notwendigkeiten irgendwie unter einen Hut bekommen muss. Auf die konkrete Idee kam ich bei meinem 30jährigen Klassentreffen. Seit Ende der Schulzeit hatte ich praktisch keinen Kontakt mehr zu meinen ehemaligen Klassenkameraden und ich war DAS absolute Highlight. Jeder wollte wissen ob ich wirklich 10 Kinder habe und wie das funktionieren kann. Offenbar gibt es also Interesse an unserem Leben.

Alleine mein Mann und seine Eigenheiten/skurrilen Einfälle werden ein großer Bestandteil dieses Blogs sein. Ich werde immer wieder aus der Vergangenheit berichten, wie zum Beispiel aus den Schwangerschaften/Geburten, diverse unfassbare Geschenke oder einfach irgendwelchen Blödsinn den er sich einfallen ließ.

Die Kinder haben den Blog abgesegnet und fanden es sogar einigermaßen cool als ich ihnen davon berichtet habe. Bedingung war allerdings, dass ich ihre Namen nicht nennen darf. Im Laufe der Zeit wird sicherlich klar werden, warum das ihre einzige Bedingung war.

Schwierig wird sicherlich die Themenwahl… Während es für mich eigentlich ganz normal ist morgens den Kleinen die Zähne zu putzen während sich ein Riesenschnauzer zwischen mich und das Waschbecken zwängt, der andere direkt hinter meinen Füßen liegt und die Kleinste währenddessen ständig versucht den Badezimmermülleimer auszuräumen, in die Toilette zu fassen oder die Klobürste zu klauen, sodass ich alle 20 Sekunden erstmal über den Hund falle um sie davon abzuhalten, ist es für andere wahrscheinlich einigermaßen irritierend bis eigenartig. Mal abgesehen von der fast täglichen Suche nach einem PAAR Schuhe für die Kleinen. Meistens finde ich mindestens 3 einzelne Schuhe und verzweifle fast bei der Suche nach den jeweils Zweiten. Natürlich immer mit dem Druck im Nacken, nicht rechtzeitig in den Kindergarten zu kommen. Zu berichten gibt es nahezu täglich chaotische bis sehr lustige Gegebenheiten. Ich bin gespannt, wie sich das entwickelt und freue mich darauf.

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